Präanalytik

Allgemeines

Eine qualifizierte Präanalytik ist eine wichtige Voraussetzung für eine aussagekräftige labormedizinische Diagnostik.
Um die Zusammenarbeit sowie die Qualität der Befunde zu verbessern, möchten wir von Seiten des Labors auf die Wichtigkeit der Präanalytik hinweisen.
Die Präanalytik umfasst alle Schritte, die vor der eigentlichen Messung im Labor (d.h. in der Arztpraxis bzw. beim Einsender) ablaufen:

  • Laboranforderung bzw. korrekte Auswahl der Analyte
  • Ordnungsgemäßes Ausfüllen des Anforderungsbogens
  • spezielle Patientenvorbereitung (nüchtern, Medikamentenstatus)
  • Eindeutige Probenkennzeichnung und exakte Probengewinnung
  • Probenvorbereitung (Zentrifugation, Einfrieren)
  • Korrekte Probenlagerung (z.B. gekühlt, gefroren, lichtgeschützt)
  • Probentransport

Überall können Störungen und Fehler auftreten, die das Messergebnis in diagnostisch relevanter Weise beeinflussen, was die Gefahr der fehlerhaften Bewertungen der Laboruntersuchungen in sich birgt. Grundsätzlich lassen sich die in der Präanalytik auftretenden Störungen in patientenbezogene Einflussfaktoren (in vivo) und sonstige Einflussfaktoren (in vitro) einteilen.

Patientenbezogene Einflussfaktoren

  • Unveränderliche Einflussgrößen:

Alter, Geschlecht, Schwangerschaft, Erbfaktoren, ethnische Herkunft

  • Veränderliche Einflussgrößen:

Zeitpunkt der Probennahme, Körperlage, Nahrung, Körpergewicht, körperliche Belastung, Genussmittel, Medikamente, Störfaktoren wie Lipämie, Hyperbilirubinämie und in-vivo-Hämolyse

Sonstige Einflussfaktoren

  • Probenentnahme
  • Wahl des richtigen Probenröhrchens (Zusätze von Antikoagulantien)
  • Entnahmetechnik (Reihenfolge der Entnahme, Staudruck, Aspirationssog)
  • Kontamination der Proben mit Infusions- oder Desinfektionslösung
  • Unzureichende Füllung des Röhrchens
  • Lagerung/Transport
  • Nichteinhalten der Transport- und Lagerbedingungen (Temperatur, Lichtschutz)
  • Zeitspanne zwischen der Probenentnahme und dem Transport ins Labor
  • Vorbehandlung des Materials (Zentrifugation)
  • Nichtbeachten von in-vivo Einflüssen (Lipämie, Hyperbilirubinämie, Hämolyse)

Beschriftung der Probennahmegefäße und Probengewinnung

Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Präanalytik-Broschüre.

Das Wichtigste ist die zweifelsfreie Zuordnung von Patient, Probe und Auftragsformular, denn organisatorisch-administrative Fehler stellen die wichtigste Ursache für falsche Laborresultate dar.Die Beschriftung des Probenröhrchens sollte vor der Entnahme erfolgen und nochmals bei der Probenentnahme kontrolliert werden.
Im Idealfall verwenden Sie bitte die von uns zur Verfügung gestellten Barcodeetiketten, um eine eindeutige Probenidentifikation zu gewährleisten.

Auf dem dazugehörigen Anforderungsschein muss sich das entsprechende Barcode-Etikett deckungsgleich wiederfinden.

Für jeden Patienten ist ein eigener Barcodesatz zu verwenden.

Die Barcode-Etiketten sollten vertikal auf den oberen Bereich des Gefäßes geklebt werden (siehe Position A).


Abbildung 1

Werden die Probengefäße per Hand beschriftet, sind folgende Daten unbedingt zu vermerken:

  • Name des Patienten (Vor-, Zuname)
  • Geburtsdatum des Patienten
  • Bezeichnung nach Zentrifugation: Serum oder Plasma

Infektiöse Materialien (z. B. Blut eines HIV- oder Hepatitis-Patienten) müssen gekennzeichnet werden!
Wenn Proben nachgesendet werden (z. B. gefrorenes Material), sollte auf der Probe vermerkt werden, dass es sich um Nachsendematerial handelt.

Unverzichtbare Angaben auf dem Anforderungsbogen

  • Einsender (Arztpraxis, Anschrift, Telefon/Fax)
  • Patientenname, Vorname, Geburtsdatum, Geschlecht, Adresse und Kostenträger
  • Untersuchungsauftrag (korrekte Markierung der zu untersuchenden Parameter)
  • Körpergröße und Gewicht
  • Identitätssicherung bzw. Bestätigung (Unterschrift des Patienten auf dem Anforderungsbogen)
  • Art der Primärprobe, Datum, genaue Uhrzeit der Probennahme
  • Medikation
  • Kennzeichnung von infektiösem Material
  • Zusatzinformationen bei besonderen Analysen
  • Sammelmenge und –zeit bei Sammelurin
  • Klinisch relevante, diagnostische Angaben, z.B. bei Hormonuntersuchungen Datum der letzten Regelblutung

Probengewinnung

Jede Blutentnahme bedingt eine Verletzung von Blutgefäßen (Arterien, Venen, Kapillaren). Es darf nur einwandfreies und steriles Material eingesetzt werden. Für die Blutentnahme stehen entsprechende Einmalartikel zur Verfügung. Für die Punktion sollten nicht zu feinlumige Kanülen verwendet werden. Die venöse Blutentnahme sollte an geeigneter Stelle im Bereich der Ellenbeuge, des Unterarmes oder des Handrückens erfolgen. Die bestehenden Einflussfaktoren sind zu berücksichtigen. 

Allgemein gilt, dass die Probennahme nach Möglichkeit
immer unter Standardbedingungen durchgeführt werden sollte:

  • Blutentnahme zwischen 7.00 und 9.00 Uhr
  • Keine extremen körperlichen Aktivitäten in den letzten drei Tagen
  • Keine Alkohol-Exzesse mehrere Tage vor der Blutentnahme
  • Nüchtern, d. h. Nahrungskarenz von 12 bis 14 Stunden und Alkoholkarenz von 24 Stunden
  • Blutentnahme immer in gleicher Lageposition (sitzend oder liegend) vornehmen
  • Mindestens zehn Minuten vor der Blutentnahme ruhen
  • Öffnen und Schließen der Faust vermeiden: „Pumpen” der Faust führt zu Hämolyse
  • Zu langes Stauen vermeiden: Maximal eine Minute (besser 30 Sekunden) stauen, Stauung lösen, Blut entnehmen
  • Röhrchen mit Antikoagulantien sofort nach der Probenentnahme 3x schwenken, nicht schütteln!
  • Serum und Serum-Gel-Röhrchen für mindestens 30 Minuten stehend lagern und anschließend 10 Minuten bei 4000 UpM zentrifugieren

Wichtig: Blut unbedingt innerhalb 1 Stunde abzentrifugieren, sonst entsteht Hämolyse!

Materialbesonderheiten

Hämolytisches Serum (Hämolyse)

Bei der Hämolyse werden die im Blut enthaltenen roten Blutkörperchen (Erythrozyten) zerstört, wodurch Hämoglobin freigesetzt wird. Das Serum oder Plasma einer hämolysierten Blutprobe weist je nach Hämolysegrad eine mehr oder weniger starke orange-rote Farbe auf.
Eine Hämolyse kann intravasal durch zu langes Stauen oder extravasal durch zu starke Aspiration bei der Blutentnahme auftreten. Verunreinigungen, zu starkes Abkühlen oder Erwärmen, zu starkes Schütteln der Probe oder Überschreiten der Aufbewahrungszeiten für Vollblut sind weitere Hämolyse fördernde Faktoren.
Hämolytische Proben sind in der Laborpraxis ein häufig auftretendes Problem, welches insbesondere bei Farb- und Trübungsmessungen zu einer verfälschten Analytik führt (falsch zu hohe und falsch zu niedrige Messwerte).

Lipämisches Serum (Hyperlipoproteinämie)
Als Lipämie wird eine milchigtrübe Verfärbung von Serum / Plasma durch Neutralfette bezeichnet.
Eine lipämische Probe kann ein Hinweis auf eine Störung des Fettstoffwechsels sein. So bilden gewisse Fette (Chylomikronen) nach 24 Stunden Kühlung eine cremig aussehende, oberste Schicht. Andere Fette führen zu einer homogenen Trübung des Plasmas.
Das Vorhandensein übermäßiger Mengen von Lipiden in einer Probe führt insbesondere bei photometrischen Messungen zu Interferenzen.
Anmerkung:  Eine Blutentnahme unmittelbar nach einer fettreichen Mahlzeit kann ebenfalls zu einer lipämischen Probe führen.


Abbildung 2

Vorbereitung für den Probentransport

Für verschiedene Laboruntersuchungen ist es zur Sicherstellung eines zuverlässigen Ergebnisses unerlässlich, dass spezielle Transportbedingungen eingehalten werden (sofortiges Zentrifugieren der Probe, Trennen des Serums/Plasmas vom Blutkuchen, Einfrieren der Probe, Lagerung bzw. Transport bei vorgegebener Temperatur, Lichtschutz…).

Entsprechende Hinweise sind auf unserem Anforderungsbogen zu finden.

Probenversand

Der Probenversand kann über die Deutsche Post oder mit unserem Fahrdienst erfolgen. Bitte verwenden Sie hierzu die jeweiligen von uns zur Verfügung gestellten Transportversandtaschen.

Bitte unbedingt beachten:

Für jeden Patienten ist jeweils eine Versandtasche zu verwenden!

Sollten zu einem Patienten zwei Anforderungsbögen existieren, ist je Anforderungsbogen jeweils eine Versandtasche zu verwenden!
Für den Postversand eignen sich lediglich bereits zentrifugierte Seren oder Plasmaproben. Vollblut ist für einen mehrtägigen Transport nicht geeignet.
Gefrorene Proben werden in entsprechenden Kühlbehältern ohne Unterbrechung der Kühlkette durch unseren Fahrdienst in das Labor transportiert.
Beachten Sie insbesondere bei Postversand über das Wochenende, dass die Stabilität der Analyte nicht gefährdet wird.
Expressproben  müssen innerhalb von 24h im Labor eintreffen und dürfen nur von montags bis donnerstags und nicht an Freitagen oder vor Feiertagen versendet werden.
Bei diesem Probenmaterial muss der Versand per Express mit der Deutschen Post an unsere Hausanschrift (nicht Postfach) oder über den Fahrdienst erfolgen.
Probenabholungen und Fahrdiensteinrichtung

können Sie telefonisch über unsere Zentrale anfordern:

  06431-21248-0

Materialbestellung

Alle Abnahme- und Versandgefäße werden Ihnen vom Labor kostenlos zur Verfügung gestellt. Bitte verwenden Sie zur Bestellung das spezielle Bestellformular für Versandmaterial.

Kontakt für Rückfragen

Gerne stehen wir für Rückfragen oder spezifische Wünsche zur Verfügung.

06431-21248-0